JazzPodium Ausgabe 10/05
    EUGEN CICERO
    SoloPiano

Der 1997 allzu früh verstorbene Pianist Eugen Cicero gehört sicher zu den verkannten Musikern. Den Klassik-Liebhabern zu swingend und den meisten Jazzkritikern ob seines parlierenden, Stil übergreifenden Spiels zu oberflächlich. Dabei verfügte der aus Rumänien stammende Tastenvirtuose nicht nur über eine stupende Technik, sondern er hat wie kein anderer Stilmittel aus Jazz und Klassik zu einem neuen Hörerlebnis verbunden.

Knapp acht Jahre nach seinem Tod sind bis her unbekannte Aufnahmen von einem Solokonzert am 14. September 1978 bei den Debrecen Jazz Days in Ungarn aufgetaucht. Cicero, der sich ansonsten zumindest von einem Bass begleiten ließ, zeigt hier, dass er als Allround-Pianist keiner Rhythmusgruppe bedarf.

Nicht nur klassische Themen wie Schuberts "Heideröslein" oder Bachs, "Erbarm Dich mein Gott" variiert er mit seinem unerschöpflichen Ideenreichtum an Phrasierungen, Tempi und kompositorischen Figuren von Barock bis Romantik. Auch "klassische" Themen aus dem Jazz wie "Shiny stockings" oder "Sunny" nimmt er als Vehikel für seine pianistischen Höhenflüge, die zumindest in der Einleitung oft an sein Vorbild Erroll Garner erinnern. Die durch Frank Sinatra bekannt gemachte Ballade "Nancy with the laughing face" interpretiert Cicero mit unglaublicher emotionaler Tiefe, selbstversonnen, das Thema zärtlich umspielend.

Selten war die Ausdrucksstärke und Vielfalt von Ciceros Pianospiel so eindrucksvoll und unverwässert zu hören wie bei diesen Live-Soloaufnahmen. Ein aufmerksames, interessiertes Publikum hat sicher ein Übriges dazu beigetragen.

Andreas Geyer
Source:  JAZZPODIUM 10/2005

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