SÜDKURIER    31.12.2005
   

Herr der eigenen Töne

Jazz-Posaunist Peter Herbolzheimer wird 70

    Berührungsängste zur Unterhaltungsmusik hat der Jazz-Posaunist Peter Herbolzheimer nie gehabt. "Ich habe die Neigung zur Melodie, zur Verständlichkeit der Musik", sagt der Posaunist, Komponist und Arrangeur aus Köln, der heute seinen 70. Geburtstag feiert. Dem Jazz gehört seine Liebe, doch bekannt geworden ist er durch seine Auftritte in "Bio's Bahnhof", seine Filmmusiken und die von ihm komponierte Einzugsmusik für die Olympischen Spiele 1972 in München. Dafür hat Herbolzheimer nicht nur eine Goldene Schallplatte, sondern auch das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.

    Geboren und aufgewachsen ist er in Bukarest. Als 16-Jähriger kam er nach Deutschland, lernte Gitarre spielen und ging 1953 für vier Jahre in die USA. "Im Deutschland der 50er Jahre habe ich mich nicht wohl gefühlt. Alles war grau in grau, die Atmosphäre im Vergleich zu Rumänien kalt und unpersönlich", so Herbolzheimer. In Amerika hat er den Jazz intensiver kennen gelernt, ohne jedoch die Musik schon in den Mittelpunkt seines Lebens zu rücken. Nach dem Abitur begann er eine Ausbildung zum technischen Zeichner in Detroit. Erst als er wieder in Deutschland war, begann er 1958 in Nürnberg Musik zu studieren und wechselte von der Gitarre zur Posaune. "Ich hatte einen elektrischen Verstärker, der gekratzt und gescheppert hat. Es war lästig, dass man seinen eigenen Ton nicht formen konnte", erzählt Herbolzheimer. "Deshalb habe ich die Posaune gewählt, um Herr meiner eigenen Töne zu sein."

    1969 gründete er seine "Rhythm Combination & Brass", die in kurzer Zeit zu den besten Bigbands Europas aufstieg und die er bis heute leitet. Jazz-Größen wie Dizzy Gillespie, Stan Getz, Gerry Mulligan oder der im Juli gestorbene Posaunist Albert Mangelsdorff waren Gäste der RC&B.

    Seit 1987 ist Herbolzheimer auch künstlerischer Leiter des Bundesjugend-Jazzorchesters (BuJazzO). "Ich habe das damals aus Verantwortungsgefühl begonnen, da es an den Hochschulen keine Jazz-Ausbildung gab", sagt er. Inzwischen ist das BuJazzO zur Talentschmiede geworden, aus der etwa auch der Trompeter Till Brönner kommt.

    Ein Ende seiner Laufbahn als Solist und Bandleader ist nicht in Sicht. "Ich bin dermaßen viel unterwegs in Europa, gebe Konzerte und Workshops. Und da ich nie angestellt war, ist mir der Rentner-Gedanke nicht vertraut", sagt Herbolzheimer. "Ich kann mir vorstellen, dass ich es bis zum letzten Tag mache."

    --Andreas Schirmer (dpa)--