Lilli Cicero
 
Eugen, Roger & Lilli Cicero
   
Lilli und Eugen trafen sich gleich nach seiner Flucht in West-Berlin. Durch die Umstände der Flucht verloren sie sich aus den Augen, völlig überraschend trafen sie sich jedoch in München wieder. Das war Schicksal.
    Eugen ist 1961 mit seinem Jazz-Orchester nach West-Berlin geflüchtet. Nach dem letzten Konzert in Ost-Berlin erhielten alle ein Tages-Visum für West-Berlin, was ihnen die Flucht ermöglichte. Ich las davon in der Zeitung - sie hatten einen Auftritt im Sportpalast - und bin sofort dorthin gegangen. Alles war ausverkauft - die einzige Möglichkeit hinein zu kommen war der Bühneneingang. Auf die Frage, ob ich Mitwirkende sei sagte ich ja, und schon war ich drin.

    Die Garderobe war abgesichert mit Kripo-Beamten. Als sie dann endlich kamen herrschte eine Riesenfreude; alle dachten ich sei eine Fata Morgana als sie mich sahen. Eugen traute seinen Augen nicht. Wir hatten uns vor Jahren bei einem Konzert in Sofia kennen gelernt. Am nächsten Tag mussten alle abreisen, Eugen wollte mich gleich mitnehmen.

    Jahre später trafen wir uns in München wieder, wir kniffen uns in die Wangen - "bist Du's wirklich?" - und ließen uns dann nicht mehr los.

    Wir heirateten und 1970 kam unser Sunnyboy Roger auf die Welt, der alle Herzen im Sturm eroberte.

    Nach unserer Trennung waren wir uns immer nah. Eine Berliner Tageszeitung überschrieb unsere Trennung - "Wir lassen uns scheiden, weil wir uns lieben"

    Unsere intensive Verbundenheit ist wie Beethovens Unvollendete.


    - Lilli Cicero - September 2006

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