Emil und Doris Nicolae
 
 
Die Eheleute Doris und Emil Nicolae waren die ersten Freunde Eugen's in Berlin. Sie lernten sich 1967 kennen. Da Emil Nicolae auch rumänischer Emigrant war es von Anfang an eine enge und sehr vertraute Freundschaft.

Im Juni 2005 erzählt Doris Nicolae von Eugen als dem besten Freund ihres Mannes Emil und wie diese Freundschaft mit ihrer Hilfe zustande kam.

Unabhängig voneinander hatten beide ihre rumänische Heimat per Flucht verlassen. Das landschaftlich wunderschöne Land mit seinen herzlichen Menschen bot aus politischen Gründen keine Zukunft für junge Menschen.

    Sie erzählt:
    Mein Mann hatte erfahren, dass Eugen in West-Berlin lebte und bat mich ihn anzurufen. Im Telefonbuch - (1967 gab es kaum rumänische Namen in West-Berlin.) - fand ich heraus, dass er im Stadtteil Tiergarten wohnte.

    "Herr Cicero" hörte seinen Landsmann am Telefon und lud uns sofort begeistert zu sich in seine Neubauwohnung ein, wo er mit seiner Frau Lilli lebte.

    Aus diesem ersten Kennen lernen entwickelte sich nach und nach für die beiden eine sehr tiefe und bis zum Schluss dauernde Freundschaft, die auch allen Belastungen während der vielen Jahre standhielt. Beide haben sich so eine "rumänische Insel" geschaffen, die sie oft zur Entspannung in die Thermen an der Heerstraße verlegten.

    Eugen aß leidenschaftlich gern und gut, am liebsten kochte und brutzelte er zu Hause. Er genoss danach das Essen in vollen Zügen mit der ganzen rumänischen Seele! Auch später, in seinem Züricher Domizil ließ er es sich nicht nehmen, in der rustikalen Küche selbst "am Kochtopf" zu stehen und uns mit seinen Kreationen zu überraschen.

    Der erste Familienzuwachs bei Cicero`s war Mady, eine entzückende Pudeldame, sein ganzer Stolz - der nur noch überstrahlt werden konnte von der Geburt des Sohnes Roger. Eugen hatte uns gebeten, unseren griechisch-orthodoxen Priester zu bitten, die Taufe vorzunehmen, denn es war ihm ein Anliegen, seinen gelebten Glauben weitergeben zu können.

    Zur Taufe von Roger versammelten sich dann zahlreiche Künstler und gemeinsame Weggefährten mit Rang und Namen, unter ihnen Paul Kuhn, Rüdiger Piesker, F.Schulz-Reichelt, Friedrich Schoenfelder und weitere Berliner Persönlichkeiten.

    Danach verloren wir uns eine Zeitlang aus den Augen. Wir selber hatten mit Hausbau und Familienerweiterung und Eugen mit auswärtigen Konzerten zu tun. Als Eugen, der inzwischen in der Schweiz lebte, uns irgendwann wieder anrief und uns Angelique als neue Lebenspartnerin vorstellte und begeistert von seinen Tourneen in Japan berichtete, war es, als hätten wir uns erst vorgestern gesehen.

    Da nun Berlin nicht mehr sein Lebensmittelpunkt war und er bei seinen Berlinaufenthalten Familienanschluss bevorzugte - ein Hotel gab ihm keinerlei Inspiration - wohnte er bei uns. Allerdings fehlte nach Eugen`s Geschmack noch ein Klavier in unserem Haus. Damit er nicht immer auswärts üben musste, wenn er in Berlin war, suchte er persönlich das Klavier aus. Für unsere beiden Söhne war das der ausschlaggebende, persönliche Ansporn auch das Klavierspielen zu erlernen. Mit großer Ehrfurcht lauschten sie dem "großen Meister" - wir Erwachsenen aber ebenfalls.

    Hatten wir sein virtuoses Klavierspiel früher - im Berliner Jazzkeller, bei den vielfältigsten Fernsehauftritten, dann in größeren Veranstaltungshäusern bis hin zur Philharmonie - begeistert verfolgt, war es uns nun ein besonderer Kunstgenuss, ihm daheim beim Spielen und Komponieren zusehen zu dürfen.

    Eugen und mein Mann waren sich nicht nur in der Seele sehr ähnlich, auch im Aussehen: alle meinten, es wären Brüder - selbst Eugen`s Mutter teilte diese Ansicht, daher stellte Eugen ihn manchmal auch als seinen Bruder vor. Sein richtiger Bruder Adrian kam erst viel später nach Berlin, er wurde von uns sofort mit ins Familienleben integriert.

    Eugen`s Eltern lernte ich in Bukarest kennen, meine Schwiegereltern hatten sie zu sich eingeladen, als ich zu Besuch dort weilte.

    Die Mutter war eine rege, resolute Frau, der Vater verschmitzt und ruhig. Bei Eugen kam dieser feine Humor in seinem Umgang mit Menschen zum Tragen. Er verstand es, auf jeden zuzugehen und ihn ins Gespräch einzubeziehen, Standesdünkel kannte er nicht. Diese Gabe machte bei seinen Konzerten und Auftritten immer das gewisse Etwas aus. Dies hoben auch immer wieder seine ihn begleitenden Musiker hervor.

    Er hatte eine unkomplizierte Art, man fühlte sich zu ihm hingezogen. Seine Geschichten und Geschichtchen füllten ganze Abende; er zeigte sich immer vergnügt, auch wenn es manchmal in seinem Inneren ganz anders aussah. Seine Hilfsbereitschaft und Empfindlichkeit waren kein guter Panzer für schlechte Zeiten.

    Bei einem seiner Aufenthalte in Berlin hatte er Geburtstag. Um den Tag trotz Hektik und Arbeit gut beginnen zu lassen, hatte ich den Tisch mit Blumen, Kerze und Geschenk dekoriert, Eugen hat sich darüber wie ein kleines Kind gefreut und überschwänglich gedankt, dass wir daran gedacht hatten.

    Mit seiner Musik bleibt er für immer mit uns verbunden.
--Doris Nicolae--
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