Roger Cicero 1970 - 2016
 
Roger Cicero,
ist 1970 in Berlin als einziges Kind von Eugen und Lilli Cicero geboren. Er hat in Hilversum Gesang und Klavier studiert und ist seit 1999 in Hamburg ansässig, wo er als Sänger in verschiedenen Formationen arbeitet. 2004 tourte er mit der Gruppe Soul-Lounge durch Deutschland. Er hat bereits mehrere CDs herausgebracht. Sein Vater war bei seiner Geburt bereits ein weltberühmter Pianist, seine Mutter war eine ehemalige Tänzerin des Dresdner Balletts. Roger ist ein einem künstlerischen Umfeld groß geworden. Im Dezember 2004 haben wir mit ihm mehrmals telefoniert. Er erzählt über seine Zeit mit seinem Vater:

    "Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern, wann ich das erste Mal mit meinem Vater auf der Bühne stand. Es war für mich ziemlich normal, kein besonderer Einschnitt. Ich glaube, ich muss 14 Jahre alt gewesen sein, weil wir da schon mit dem Titel "Alone Again" auftraten.

    Seit meinem 10. Lebensjahr spielte ich Gitarre und habe ziemlich schnell gemerkt, dass mir die Leute gerne zuhören, wenn ich singe. Meinen allerersten Auftritt mit Gitarre hatte ich dann mit 13. Ich kann mich an keine Entscheidung erinnern, jetzt auf die Bühne zu springen. Das war für mich einfach ganz normal.

    Unser gemeinsames Programm bestand im Wesentlichen aus Liedern, die uns gerade spontan einfielen. Als Kernbestand hatten wir jedoch "Alone Again", "Misty" und "Teach me tonight".

    "Alone Again" entdeckten wir auf unserer ersten gemeinsamen Fahrt nach Rumänien. Ich glaube, das muss 1984 gewesen sein. Wir waren zwei Tage zusammen im Auto und hörten ständig Musik. Da war die Kassette mit Gilbert O'Sulllivan und wir beide waren von Anfang an fasziniert von "Alone Again". Wir hörten uns das dann mindestens zwanzig Mal an, es wurde zu unserem Lieblingsstück und als wir wieder in Zürich waren, hat er es mir dann aufgeschrieben, damit ich es richtig lernen konnte. Wir hatten es bis zuletzt immer wieder auf der Bühne gespielt.

    Ja, ich erinnere mich auch noch an "Sunny". Dieser Titel hat sich bei ihm irgendwann verselbständigt. Er spielte das Thema immer wilder. Ich glaube es war im Bernhard Theater in Zürich. Da hatte er plötzlich ein klassisches Stück nach dem anderen mit Sunny "verkleidet" und nachdem er merkte, wie gut das beim Publikum ankam, war es einer der Höhepunkte seiner Konzerte.

    Mein Vater hat nicht viel über Musik geredet. Er hatte sie im Kopf, das genügte ihm. Er war ein extrem intuitiver Spieler. Er hat auch nicht viel über Stücke nachgedacht. Es genügte ihm, wenn er ein Stück einmal irgendwo hörte, wenn es ihm gefiel, konnte er es auch gleich spielen. Nur wenn er ein spezielles Stück präsentieren oder es gar aufschreiben mußte, das war für ihn der Horror. Er konnte zwar alles sofort vom Blatt spielen, aber Aufschreiben, das war nicht seine Sache. Ich glaube, je älter mein Vater wurde, desto mehr hat er einfach gespielt und nicht mehr nachgedacht. Er hat ja oft sein Trio mit Stücken überrascht, die vorher nicht abgesprochen waren.
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