Kuno Schmid
 
    
 
Kuno Schmid,
selbst arrivierter Pianist, war gerade mal 17 Jahre alt als er 1973 Eugen Cicero zum ersten Mal begegnet ist. Er hatte gleich das Glück mit ihm in einer Sendung bei der Funkausstellung in Berlin aufzutreten. Hier erinnert sich:

    Es gibt zwei Filme, auf denen ich mit Eugen zu sehen bin. Der erste ist ein Super 8 Film ohne Ton aus dem Jahr 1973. Es war eine Fernsehsendung mit Namen "Meister und Geselle". Gedreht wurde auf der Funkausstellung in Berlin. Ich war natürlich der Geselle. Der zweite Film ist ein Videofilm aus dem Jahr 1987, wo Eugen und ich mit der RIAS Bigband unter der Leitung von Horst Jankowski in Los Angeles in der Hollywood Bowl spielten.

    Doch gehen wir der Reihe nach vor:
    1973 war das Jahr, in dem ich Eugen zum erstenmal begegnet bin. Sein Freund Dr. Udo Unger - der auch ein guter Freund meines Vaters war - hat mich mit Eugen zusammengebracht. Es ging darum, ob ich tauglich bin, mit ihm zusammen in dieser Sendung aufzutreten. Ich war gerade 17 als ich mit meinem Vater nach Berlin flog. Eugen empfing uns dort in einer beeindruckenden Villa.

    Ich spielte ihm vor und er war sofort einverstanden, dass ich mit ihm die Sendung mache. Er sagte mir, ich würde interviewt werden und man wird mich nach meinen Lieblingspianisten fragen. Ich kündigte an dass ich sagen werde, dass er und Oscar Peterson meine Lieblingspianisten sind. Er hat mich gebeten, Oscar nicht zu erwähnen, aber ich hab ihn bei der Sendung dann doch genannt... Später hat mir Eugen natürlich eingestanden, dass er Oscar auch sehr verehre.

    Der zweite Film ist ein Videofilm aus dem Jahr 1987. Eugen und ich sind mit der RIAS Bigband unter der Leitung von Horst Jankowski in Los Angeles in der Hollywood Bowl aufgetreten, wo wir u. a. Caterina Valente begleiteten.

    Wir trafen uns in Zürich, wo Eugen in die Maschine zustieg, die uns nach Los Angeles brachte. Während des Fluges haben wir uns natürlich ständig unterhalten. Damals war das Rauchen im Flugzeug noch erlaubt - wir standen immer ganz hinten direkt bei der großen Tür, haben uns unterhalten und dabei geraucht. Eugen hatte eine spezielle Art zu rauchen. Er zeigte mir, dass er auf jede Zigarette japanisches Heilpflanzenöl träufelte, dass der Zigarette einen frischen Mentholgeschmack gab. Ich mochte das sehr und seitdem habe ich das immer wieder mal gemacht - dabei muß ich jedesmal an Eugen denken.

    Es gibt auch eine lustige Filmszene im Flugzeug, wo wir uns gleichzeitig mit unseren Kameras filmen.

    Auch vom anschließenden Empfang habe ich ein schönes Video - man sieht Eugen und mich zusammen mit Caterina Valente. Ich erinnere mich, dass Eugen in Los Angeles bei dem Empfang immer stets darauf bedacht war, dass ihn seine Frau zusammen mit den anderen Künstlern filmte. Er wollte unter anderem mit Jack Jones, Don Menza und Caterina Valente aufs Bild kommen. Der Anlass für das Konzert war die 750-Jahrfeier der Stadt Berlin. Los Angeles und Berlin sind Partnerstädte.

    Ich kannte zwei von Eugens Platten schon lange vor unserer Begegnung. Eine davon heißt "In Town" von MPS, die mich sehr beeindruckt hat. Da mein Vater W. F. Schmid Arrangeur und Produzent bei Intercord war, bekam ich sämtliche Intercord-Platten von Eugen umsonst.

    Ich war bei den Aufnahmen zu "Cicero´s Chopin Festival" im Studio anwesend. Rettenbacher hat Bass gespielt, Dai Bowen drums, plus drei Blechbläser und Streicher, toll arrangiert von Jerry van Rooyen. Da hat Eugen wirklich phantastisch gespielt.

    Auf der MPS Platte "IN TOWN" gibt es ein C-Moll Prélude von Bach, das gefällt mir am besten von all seinen Klassik-Jazz Einspielungen, obwohl er ja eher ein Chopin Interpret war. Chopin hat er hinreißend gespielt, und er hätte wahrscheinlich eine ähnlich große Karriere als klassischer Pianist machen können. Aber das wollte er nicht, - ich übrigens auch nicht.

    Eugen hat mich in meinen frühen Studienjahren musikalisch sehr beeinflusst, und ich habe viele seiner "Licks" kopiert und in mein Spiel eingebracht. Licks sind melodische Wendungen, Linien, die man vorher übt und dann auf Abruf einsetzen kann. Es gibt einen typische "Eugen-Lick", an dem ich ihn unter Tausenden sofort herauskennen würde. Decebal kennt diesen "Lick" auch. Ich habe Eugen immer bewundert und daran wird sich nie etwas ändern.

    Oscar Peterson und Art Tatum sind technisch bis heute unerreicht. Außerdem waren sie stilbildende Musiker, die den Verlauf der Entwicklung im Jazz maßgeblich beeinflusst und mitgeprägt haben. Eugen war in diesem Sinne weniger stilbildend. Eigentlich mochte ich es nie, dass er sich fast immer nur auf Themen der Klassik konzentriert hat. Ich mochte seinen Improvisationsstil, - dafür habe ich ihn geliebt.

    Es ist davon auszugehen, dass Eugen aufgrund seines Erfolges mit dem "Klassik-Jazz" bei diesem Stil geblieben ist. Ich glaube nicht, dass er das aus musikalischen Gründen gemacht hat, wobei ich die von ihm aufgegriffene Musik in keiner Weise schmälern will. Mich jedenfalls hat die Idee, Klassik zu "verjazzen", nie wirklich interessiert.

    Von den späten 80er Jahren bis zu Horst Jankowski´s Tod gab es eine Konzert-Serie im Stuttgarter Perkins-Park, genannt "Zu Gast bei Horst Jankowski". Da war Eugen mindestens drei mal zu Gast. Es gab ein Konzert, wo Eugen, Horst und ich an zwei Flügeln und einem Keyboard zusammen improvisierten.

    Ich besuchte immer wieder Konzerte seines Trios, wo auch einer meiner besten Freunde - Decebal Badila - mitspielte. Die letzte Begegnung mit Eugen war 1997 in Stuttgart beim Sommerfest am neuen Schloß, wo er mit seinem Trio ein grandioses Konzert gab. Er hat mich spontan eingeladen, einige Stücke gegen Ende des Konzertes mitzuspielen, was ich auch getan habe.

    Nach dem Konzert spielte ich ihm im Auto eine CD vor, die ich gerade mit Horst Jankowski gemacht hatte, - es sollte die letzte Produktion von Horst gewesen sein. Er starb bald darauf. Eugen mochte meine Arrangements und er sagte mir, dass er mit mir gern eine ähnliche CD - mit Streichern - machen wollte. Leider kam es nicht mehr dazu.

    Wenige Tage vor seinem Tod sah ich ihn im Fernsehen bei "Verstehen Sie Spaß".

    Abschließend ein kleines Zitat von Eugen. Er hatte eine ganz spezielle Art, Dinge auszudrücken. Mit dem Schlagzeuger Ronnie Stevenson hat er ein Album in London aufgenommen. Er war sehr begeistert von seinem Spiel und er drückte das so aus

    "Ronnie singt das Schlagzeug...".

    Über meine Person finden Sie mehr Informationen unter sanctus spotlight: Kuno Schmid, classical composer

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