Gipsy Schönfeld
 
 
Gipsy Schönfeld,
eine junge Frau, die damals regelmäßig ins Restaurant ZENNER in Berlin Treptow zum Tanzen ging, berichtet:
    Wir lebten im Ostteil von Berlin, die Mauer war gerade gebaut worden (1961) und ich ging eines Abends ins Zenner. Das ist ein altes Tanzlokal in Treptow, das jeder kennt und in dem gute Musik zum Tanzen gespielt wurde. Damals schon etwas jazzig. Es war vermutlich 1963. Eugen spielte dort mit einer 6-Mann Kapelle. Das war ziemlich bekannt und da mein Mann, der Saxophon spielt, auf Tournee war, wollte ich mal alleine hingehen, um mir diese Band anzuhören.

    Mir fiel sofort der Pianist auf, der völlig neuartig spielte. Er verjazzte unsere Tanzmusik. Es war großartig.

    Plötzlich kam Eugen auf mich zu und sagte: "Jetzt bin ich schon 6 Wochen hier und Sie sind das erste schöne Mädchen in Deutschland." Wir haben gelacht und sind schnell miteinander ins Gespräch gekommen. Ich habe dann meinen Mann geholt, der war der erste Alt-Saxophonist im Rundfunktanzorchester Günter Golasch. Der hat Eugen gleich mitgenommen. Eugen hat dann bei uns übernachtet und wir haben schöne Abende zusammen erlebt.

    Musikalisch haben wir uns alle gut verstanden und mein Mann wollte mit Eugen und anderen Musikern, die er kannte, nächste Woche Rundfunkaufnahmen machen. Doch am Abend sagte uns Eugen plötzlich: "Morgen haben wir alle eine Genehmigung und dürfen in den Westteil von Berlin." Er bzw. die ganze Band hatte also von der rumänischen Botschaft die Genehmigung für einen Tag nach Westberlin zu fahren.

    Eugen ging dann mit der Kapelle rüber und einen Tag später klingelte es bei uns und der Tenorsaxophonist stand vor der Tür und sagte, er komme wieder, weil er Familie habe, die anderen wollten alle im Westen bleiben.

    Wie ich dann später erfahren habe, gingen alle in die USA und Eugen blieb in Deutschland. Er durfte wegen dieser Flucht nie mehr in der DDR spielen und auch lange nicht mehr nach Rumänien zurück.

    Erst als die Mauer fiel trafen sich er und mein Mann bei einer großen GEMA Sitzung in Berlin wieder. Das war 1990.

    Wir haben natürlich über die Mauer geschimpft, aber es wurde nie davon gesprochen, dass Eugen oder die anderen Musiker abhauen wollten. Ich glaube, dass die Flucht nicht geplant war, Eugen und die anderen Musikern waren vermutlich vom Westen einfach überwältigt.

    Man muss wissen, das waren alles junge Kerle, die leben wollten und Rumänien war ein extrem armes Land. Die DDR war dagegen schon ein Schlaraffenland. Sie waren von Westberlin einfach überwältigt und sind geblieben, denn sie hatten ja alle noch keine Familien gegründet und ihre Zukunft noch vor sich.
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